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Der Förderkreis Geschichtsort Topf & Söhne hat sich 1999 als ein offener und heterogener Kreis gegründet, der die Auseinandersetzung mit der Geschichte von Topf & Söhne vorantreiben und verstetigen will.
2009 ist aus dem Förderkreis Geschichtsort Topf & Söhne der eingetragene Verein Erinnerungsort Topf & Söhne hervorgegangen. Im Zuge der Vereinsgründung entstand auch eine neue Internetpräsenz (www.topfundsoehne.de). Dort finden sich auch die aktuellen Kontaktadressen. Die alte Homepage wird seitdem nicht mehr aktualisiert, bleibt aber zur Dokumentation der Förderkreisaktivitäten in den Jahren von 1999 bis 2009 weiterhin bestehen.

 




J.A. Topf & Söhne
- eine kurze Geschichte des Krematorienbauers von Auschwitz

Die Firma J. A. Topf & Söhne wurde im Jahre 1878 in Erfurt durch J. A. Topf gegründet, der an der Verbesserung industrieller Feuerungen arbeitete. Seine beiden Söhne Ludwig und Ernst-Wolfgang übernahmen 1935 gemeinsam die Leitung der Firma. Zu den Haupttätigkeitsfeldern der Firma gehörten neben dem Bau von industriellen Feuerungsanlagen komplette Mälzereien und Brauereimaschinen sowie Siloanlagen, Schornsteinbau und Einbauten wie gasdichte Türen und Fenster. Besondere Erfolge errang die Firma im Ersten Weltkrieg mit ihrer speziell entwickelten Hochleistungs-Feuerung, die eine äußerst wirtschaftliche Verbrennung von Braunkohle erlaubte. Schon recht früh gehörte mit einer kleinen Abteilung auch die Entwicklung und Fertigung von Krematoriumsöfen zur Produktpalette. Während die Firma auf dem Gebiet der Brauerei- und Mälzereianlagen bis in die 40er Jahre hinein weltweit eine Spitzenposition einnahm, blieb die Herstellung von Krematoriumsöfen ein Randgeschäft.

Topf & Söhne war aber auch auf diesem Gebiet technischer Vorreiter und arbeitete laufend an der Verbesserung der Einäscherungstechnik. Die Feuerbestattung war erst Ende des 19. Jahrhunderts wieder verstärkt aufgekommen und hatte seit den 20er Jahren eine beachtliche Verbreitung gefunden, insbesondere in den skandinavischen Ländern aber zunehmend auch auf dem mitteleuropäischen Kontinent. Ab den 20er und 30er Jahren belieferte Topf & Söhne städtische Krematorien in ganz Deutschland und in aller Welt. Noch 1945 (!) wurde ein Einäscherungsofen in die USA ausgeliefert.

In der Firma gab es bis in die 40er Jahre ein Umfeld für innovative Entwicklungen mit einer hohen Zahl von angemeldeten Patenten in allen Geschäftsbereichen. Die Organisation war solide, die Führung war jung, und die Firma meisterte die Kriegsjahre, obwohl sie mehrere Liquiditätskrisen zu überstehen hatte. In diesen Jahren beschäftigte Topf & Söhne über 100 Spezial-Ingenieure und Techniker und fertigte über 7000 Anlagen in aller Welt, die vor Ort montiert und optimiert wurden.

In den 40er Jahren entschloss sich Topf & Söhne auch zur Zusammenarbeit mit der SS. Das Unternehmen fertigte Entlüftungsanlagen für die Gaskammern in Auschwitz und entwickelte große leistungsfähige Krematoriumsöfen für Auschwitz, Buchenwald, Dachau und andere Konzentrationslager der Deutschen. Dabei zeigt der Umsatzanteil aus den Krematoriengeschäften von weniger als drei Prozent, dass diese Aufträge für das Unternehmen keineswegs überlebenswichtig waren. Es ist auch nichts darüber bekannt, dass auf die Firma Druck "von oben" ausgeübt oder sie gar zur Annahme der Aufträge gezwungen worden wäre,. Im Gegenteil: in klassischem Geschäftsgebaren versuchte man, die Konkurrenzfirma Kori aus Berlin auszustechen. Die Unternehmer nutzten jede "Chance", die sich ihnen bei der Vergabe von Staatsaufträgen bot. Dabei wussten die Mitarbeiter der Firma, was sie taten. Alle Anlagen wurden von hauseigenen Ingenieuren in den Lagern vor Ort installiert und repariert. Aus Eigeninitiative entwickelte Ingenieur Kurt Prüfer sogar Vorschläge zur Verbesserung der Tötungsmechanik. Es kann als sicher gelten, dass auch die Mitarbeiter in der Firma spätestens seit Januar 1943 vom Zweck der Aufträge wussten. Von einem Einverständnis der Verantwortlichen mit den Zielen der Reichsregierung ist auszugehen.

Nach dem 2. Weltkrieg wurden die hauptverantwortlichen Ingenieure und Firmenmitarbeiter bei Topf & Söhne von den sowjetischen Offizieren verhaftet und verurteilt. Ludwig Topf entzog sich seiner Verhaftung durch Selbsttötung. Ernst-Wolfgang Topf setzte sich nach Wiesbaden ab und gründete 1951 die Firma neu, die aber nur 12 Jahre später wieder aufgelöst wurde. In Erfurt konnte die Firma 1948 nach der Enteignung durch die sowjetische Besatzungsmacht zunächst unter dem Namen "Nagema Topfwerke Erfurt VEB" ihre Tätigkeit mit einem etwas eingeschränkten Angebot fortsetzen. (Das Krematoriumsgeschäft wurde nach Zwickau verlagert.)

In den 50er Jahren wurde Topf & Söhne nach dem griechischen Freiheitskämpfer Nikos Belojannis umbenannt in "VEB Maschinenfabrik Nikos Belojannis". Bis 1994 arbeitete die Firma dann unter dem Namen "VEB EMS" (Erfurter Mälzerei- und Speicherbau) weiter, bis sie 1994 Konkurs anmelden musste.

Seit 1996 arbeitet in Erfurt eine Initiative von Einzelpersonen und Institutionen an einer kritischen Reflexion dieses Teils der Erfurter und der deutschen Geschichte. Veranstaltungen und Tagungen, Theaterarbeit vor Ort und Besichtigungen des Betriebsgeländes waren bisher Mittel von Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit. Auch ein Förderkreis hat sich gebildet und trifft sich regelmäßig.

Ziel der Initiative ist es, die Industriebrache als öffentlich zugänglichen Ort zu erhalten, ihn zu kennzeichnen und als Ort des "Mitmachens" in das öffentliche Bewusstsein zu rücken. Das Stadtmuseum Erfurt unterstützt dieses Projekt und wird der Betriebsgeschichte der Firma J. A. Topf & Söhne einen beachtlichen Raum bei ihrer zeitgeschichtlichen Ausstellung einräumen.

Eckhard Schwarzenberger


 

Montagehalle, Ansicht von Südosten. Hier wurden die Topfschen Anlagen fertiggestellt

Die Technik der zivilen Krematorien bei Topf & Söhne stammte aus dem 19. Jahrhundert und wurde für die Öfen der Konzentrationslager für einen Dauerbetrieb umfassend modifiziert.

Innenansicht einer Baracke, in denen die überwiegend französischen Zwangsarbeiter auf dem Firmengelände untergebracht waren.

Sargeinführungswagen aus dem ehemaligen Krematorium in Hof.

Gasdichte Tür. Topf & Söhne beteiligte sich aktiv an der Vernichtungsmaschinerie, in dem die Firma die Belüftungsanlagen der Gaskammern in Auschwitz entwickelte und installierte.

Verbrennungszelle, sogenannte Muffel eines Topfschen Krematoriumsofens (Ein Ofen hatte bis zu fünf einzelne Muffel), wie er in den Konzentrationslagern zum Einsatz kam. Allein in Auschwitz gab es insgesamt 58 dieser Verbrennungszellen.