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TLZ, 28.01.04

Was ist Erinnerung wert?

von Hartmut Schwarz

Altstadt. (tlz) "Was soll denn das, den alten Topf gibt es nicht mehr. Erst hat er uns Unglück gebracht und jetzt kostet er uns Geld..." Mit diesen Worten kommentierte eine Rentnerin die kleine Exposition, die der Förderkreis "Geschichtsort Topf & Söhne" gestern auf dem Anger zeigte. Ablehnende Meinungen trafen auf Zustimmung. Was viele lieber vergessen möchten, daran wollen andere ständig erinnert werden. 59 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz wurde noch einmal vor Augen geführt, wie im Dritten Reich auch zivile Sektoren bemerkt und unbemerkt von den verbrecherischen Machenschaften der Nazis infiltriert wurden. Inzwischen durch Zeitzeugen ergänzt, durch ältere Erfurter, die selbst einst bei Topf beschäftigt waren, gewinnt der Förderkreis zusehends an Kompetenz - auch und vor allem bei den Alteingesessenen.

Wanderausstellung

Den Senioren im Förderkreis ist es vielleicht auch zu verdanken, dass aus dem Täterort inzwischen ein Geschichtsort geworden ist. Denn Täter wären ja all die gewesen, die einst bei Topf beschäftigt waren. Dass dem keinesfalls so war, darüber informierte auf dem Anger gestern auch der 72-jährige Norbert Schneider, der 1947 bei Topf lernte, all die kannte, die auch während des Krieges im Unternehmen arbeiteten. Schneider: "Es wurden die unterschiedlichsten Arten von Öfen, Rosten, Dampfkessel und andere Feuerungsanlagen bei Topf gefertigt. Keiner in der Produktion wusste, wofür die einzelnen Teile alle bestimmt waren. Das wussten nur die, die oben an den Zeichentischen saßen. Der Zeichenraum war der eigentliche Täterort. Dort haben sie ganz genau gewusst, um was es geht."

Dass der gesamte Unternehmenskomplex in der Weimarischen Straße als Denkmal erhalten werden sollte, lehnt Schneider deshalb ab. Nach dem Krieg hat er im Unternehmen selbst lange Zeit als Ingenieur und Technischer Zeichner gearbeitet. Viel wurde in dieser Zeit verändert - eine Stelle, der Zeichensaal, sollte zum Gedenken genügen. Und außerdem habe man die Topf-Historie inzwischen bestmöglich dokumentiert. (...)