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Thüringer Allgemeine, 03.12.04

Viele offene Fragen - Feuer auf dem einstigen Gelände von Topf & Söhne am Sorbenweg

von Birgit Kummer

Großeinsatz gestern kurz vor sechs Uhr auf dem früheren Gelände von Topf und Söhne am Sorbenweg: Auf einer Länge von fast 100 Metern loderten Flammen aus den verfallenen Gebäuden. Brandstiftung liegt nah. Glücklicherweise kam niemand zu Schaden. Das Feuer lenkt die Aufmerksamkeit erneut auf eine besondere Brache.

DABERSTEDT. Das Gelände mit all seinen maroden Bauten, mit abgedeckten Dächern, dem Schutt und dem Schmutz könnte eine Filmkulisse sein. Doch die Brache ist echt - einst war hier der Firmensitz des Unternehmens Topf & Söhne, das Verbrennungsöfen für Vernichtungslager der Nazis konstruierte und baute. Später nutzte der Mälzerei- und Speicherbau Teile des Areals. Seit Jahren steht es nun schon leer und ist dem Vandalismus preisgegeben.

Echt war auch das Geschehen gestern im Morgengrauen. Hohe Flammen schlugen aus der Gebäudefront. "Es war schwierig, auf das Gelände zu kommen", sagte Wachabteilungsführer Reiner Schuster. Damit Fahrzeuge und Retter löschen konnten, musste das große Haupttor mit Trennschleifern aufgesägt und zur Seite gekippt werden. Die Erfurter Berufsfeuerwehr war mit beiden Löschzügen im Einsatz. Später stießen die freiwillige Wehr Dittelstedt und Löscheinheiten aus Büßleben und Melchendorf hinzu. Da die betroffenen Gebäude schon vor dem Feuer einsturzgefährdet waren und der Brand weitere Teile, z. B. Treppen, zum Einsturz brachte, konnte keiner hinein, gelöscht wurde von außen. Noch am Vormittag glommen immer wieder Brandnester auf.

Ursachen? "Hier gibt es kein Gas, kein Wasser und keinen Strom, woher soll da ein Feuer kommen?" Die Frage eines Feuerwehrmanns war eher rhetorisch gemeint, doch das Wort Brandstiftung darf er erst verwenden, wenn sie erwiesen ist. Kripo-Experten untersuchten das weiträumige Gelände.

Glücklicherweise kam kein Mensch zu Schaden. Reiner Schuster hatte kurz vor sechs die Bewohner des "Besetzten Hauses" fünfzig Meter weiter aus dem Schlaf geklopft. Sie hatten nicht bemerkt, dass nebenan Flammen schlugen. "Auf dem Gelände hat es immer mal wieder gebrannt, aber noch nie in solchem Ausmaß", bestätigte ein junger Mann. "Sicher war das Brandstiftung. Es hätte böse ausgehen können." Er frage sich, wer Interesse habe, das Areal abzufackeln.

Vom Feuer verschont blieb das einstige Verwaltungsgebäude direkt neben dem Brandherd. Es steht unter Denkmalschutz und soll eigentlich in Zukunft den Hauptbereich eines musealen Projekts beherbergen, um die Geschichte von Topf & Söhne öffentlich nachvollziehbar zu machen. Wenn denn die Stadt jemals Geld für einen Gedenk-Ort hat und es endlich eine tragfähige Konzeption gibt.

Karl-Heinz Siegl vom Hochbauamt schaute sich um und nahm den Schaden in Augenschein. Auch Vertreter der PDS kamen zum Sorbenweg. "Die Feuerwehr war sich bewusst, auf welchem Gelände sie sich befand", honorierte Stadträtin Karola Stange den Einsatz. Ihre Fraktion werde nun mit Nachdruck auf Aufklärung des Geschehens dringen. "Wir werden den Brand und die Zukunft des Geländes im Hauptausschuss und im Stadtrat thematisieren", kündigte sie an.

Einig waren sich gestern Feuerwehrleute, Polizei und Beobachter in ihrer Erleichterung, dass nicht noch mehr passiert ist.