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Thüringer Allgemeine, 12.01.05

Der schreckliche Platz

von Casjen Carl (Gespräch)

ERFURT. "Auschwitz - Berlin - Erfurt: ein infernalisches Dreieck" nannte Prof. Robert-Jan van PELT seinen gestrigen Vortrag in der Kleinen Synagoge über Orte der Holocaust-Erinnerung . TA sprach mit ihm über Topf & Söhne.

Wie kommt man als Kanadier darauf, wenn man den Holocaust betrachtet, näher auf Erfurt zu schauen?

Ich bin Professor für Architektur. Und 1984 habe ich mich mal gefragt, was ist das Schlimmste, was ein Architekt einmal getan hat. Es war nicht schwierig. Das Bauen von Gaskammern und der Krematorien war der Nullpunkt der Architekturgeschichte. Und bei den Forschungen stieß ich dann auch auf den Erfurter Ingenieur von Topf & Söhne, Kurt Prüfer.

Ein Konstrukteur, der Betrieb. Welche Bedeutung hat Erfurt für den Holocaust?

Es gab während des Krieges 42/43 tägliche Kontakte zwischen der Topf-Firma und Auschwitz. Alle 14 Tage ist Kurt Prüfer dorthin gefahren. Aber ebenso die Monteure und Ventilations-Techniker, um die Kremato- rien zu bauen. Und das war ein ganz zentraler Punkt für den Betrieb von Auschwitz: dass die Gaskammern funktionierten und die Krematorien die Leichen verbrannten.

Welchen aktuellen Eindruck haben Sie dieser Tage vom Gelände von Topf & Söhne?

Man könnte sagen, die menschliche Gerechtigkeit hat über das Gelände gewaltet. Es ist erschreckend. Als wir 1994 hier waren, war das noch ein funktionierender Betrieb. Jetzt wird es schwer, etwas davon zu behalten.

Bedauern Sie das?

Ja und nein. Ich habe sehr viel an der Sicherung von Holocaust-Stätten gearbeitet. Allein das Problem der Erhaltung von Auschwitz ist so groß, dass wir vielleicht akzeptieren sollten, dass das Lager einmal verschwindet. Ich bin am Ende genug Historiker um zu glauben, ein gutes Buch ist auch sehr viel wert. Ist denn Topf und Söhne wichtiger? Wohl nicht. Aber ich glaube, es ist sehr wichtig, dass die Geschichte des Betriebes nicht vergessen wird.

Also muss nicht unbedingt ein Museum entstehen?

In der jüdischen Tradition gibt es ein Konzept vom schrecklichen Platz, ein Platz über den Gottes Urteil gesprochen wird. So könnte man als Möglichkeit für das Gelände entscheiden, dass es nicht mehr in das wirtschaftliche Leben aufgenommen wird. So könnten Mauern es ringsum eingrenzen, in der Mitte ein Info-Punkt stehen.

Tut es am Ende vielleicht auch eine Gedenktafel?

Nein.