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Thüringer Allgemeine, 17.06.05

Vom Mitläufer zum Mittäter

von Wolfgang Suckert

"Techniker der Endlösung" heißt eine Ausstellung im Jüdischen Museum Berlin über "Topf & Söhne". Sie wird ab Oktober auch in Erfurt zu sehen sein.

BERLIN. Zur Vorbesichtigung der Exposition, die durch die Gedenkstätte Buchenwald und Mittelbau-Dora zusammen mit dem gastgebenden Haus sowie dem Museum Auschwitz konzipiert und erstellt wurde, hielt Volkhard Knigge, der Gedenkstättenleiter aus Weimar, recht zufrieden ein Fax in die Höhe. Am Morgen hatte ihm Oberbürgermeister Manfred Ruge zugesichert, dass die Ausstellung definitiv auch in Erfurt zu sehen sein werde. Damit platziert sich die Stadt in einer Reihe mit Paris, Washington und Auschwitz, wohin die Exposition außerdem gehen wird. Knigge äußerte, dass sich Erfurt damit etwas Gutes tue.Sind alle Ausstellungen zum Massen- und Völkermord der Nazis vom Thema her sowieso bedrückend, so ist es diese noch in einem besonderen Maße. An den Exponaten, die in der Mehrzahl Schriftstücke sind, wird belegt, dass diese Techniker der Endlösung aus der Mitte der Gesellschaft kamen. "Topf & Söhne" war ein mittelständisches Unternehmen, dass mit technischen Spezialwissen und -können erfolgreich eine Nische besetzt hielt.So beginnt der Rundgang folgerichtig mit einer Zeichenmaschine aus dem ehemaligen Verwaltungsgebäude, auf deren Fläche die verschiedensten technischen Aufrisse für die Installation der Todesmaschinerie projiziert werden. Fotoalben mit den Porträts der Mitarbeiter belegen, dass hier das Leitbild einer deutschen Firmenfamilie galt. Obwohl die Inhaber, die Topf-Brüder, sowie der Chefkonstrukteur für die Verbrennungsöfen, Kurt Prüfer, Anfang der dreißiger Jahre in die NSDAP eintraten, waren weder sie noch irgendwer im Betrieb ein fanatischer Nazi. Die Ausstellung belegt, wie Inhaber und Belegschaft zum Mitläufer, Mittäter und in gewisser Weise auch Ermöglicher des Massenmordes werden. Sie sehen sich staatlich für ihr Tun legitimiert und es entbrennt ein Ehrgeiz unter den Konstrukteuren um die effizienteste technische Lösung für die Verbrennung der Masse Mensch.Neben Teilen der Krematoriumsöfen von Auschwitz, die erstmalig verliehen wurden, belegen vor allem Akten, dass die Monteure genau wussten, was sie taten. Sie haben die Be- und Entlüftung der Gaskammern optimiert und müssen Vergasungen von Menschen beigewohnt haben. Zumindest ein Monteur schaute in Buchenwald zu, als sowjetische Kriegsgefangene bei lebendigem Leibe verbrannt wurden.Durch die ganze Ausstellung zieht sich das Wirken des Oberingenieurs Prüfer, der ständig in Schreiben mehr Gehalt oder Prämien für seinen Einsatz angemahnt hatte.Fritz Sander, ein anderer Ingenieur, fordert die Firmenleitung 1942 auf, seinen Hochleistungsofen zum Patent anzumelden. Mit ihm sollten ohne Unterbrechung sowie ohne Gas oder Kohle kontinuierlich Menschen verbrannt werden können. Als in der Sowjetischen Besatzungszone für "Topf & Söhne" die Insolvenz durchgeführt wird, billigen die Beamten diesem Patent noch einen Geldwert zu.Ein ganz spezielles Schicksal wird mit dem Kommunisten Heinrich Messing dargestellt, der selbst im KZ war, dann von Topf eingestellt wurde. 1943 war er ein halbes Jahr zur Montage in Auschwitz und wusste genau, was er wozu installierte. Nach 1945 wird er Betriebsrat und kehrt wie alle anderen die Betriebsgeschichte unter den Teppich. Was in den KZ lief, dass wussten in Erfurt auch die Konstrukteure am Reißbrett und die Sekretärinnen in den Vorzimmern, wie betriebsinterne Mitteilungen belegen. Der Tod war ihr Geschäft. http://www.topfundsoehne.deg/