[Start]

[Aktuelles]

[Konzeption]

[Projekte]

[Texte/Beiträge]

[Publikationen]

[Bilder]

[Medienecho]

[Förderkreis]

[Kontakt]

[Links]

[Impressum]

[zurück]

Thüringer Allgemeine, 29.06.05

Mehr als nur Willensbekundungen

von Birgit Kummer

ERFURT. Auf internationales Interesse stößt die Ausstellung "Techniker der Endlösung" zur Firma Topf & Söhne im Jüdischen Museum Berlin. Im Herbst kommt sie nach Erfurt - doch schon jetzt bringt sie Bewegung in die Debatte um das Gelände an der Weimarischen Straße.

Ab Oktober soll die Ausstellung über die Ofenbauer von Auschwitz im Stadtmuseum Johannesstraße zu sehen sein. Die Stadt sei dabei, die Finanzierung zu deckeln, informierte Kulturdirektor Jürgen Bornmann den Kulturausschuss. Sie wolle das Geld unbedingt zusammenbekommen, es gehe um 15 000 Euro. Beim Kultusministerium würden Landesmittel beantragt, ein Brief an Kulturstaatsministerin Weiß sei aufgesetzt, zudem erbitte man Sponsorenhilfe. Die Ausstellung durchläuft danach weitere Stationen, wird u. a. in Auschwitz gezeigt. Dass sie einst ihre endgültige Heimstatt in Erfurt findet, hofft nicht nur Jochen Kaiser, der frühere Kulturbeigeordnete. Das Verwaltungsgebäude der Firma Topf und Söhne sei der geeignete Ort. Doch bis dahin wären viele Fragen zu klären. Die wichtigste: "Wie kommen wir schnell zur Unterschutzstellung und Sanierung dieses Gebäudes?" Diese Arbeit könne die Stadt nur gemeinsam mit Bund und Land leisten. Als erstes müsse das Haus verschlossen und gesichert werden. Dabei könne vielleicht die Bauhütte Petersberg helfen, so Kaiser.

Die Bauverwaltung regte an, eine Arbeitsgruppe aus Stadtverwaltung, Vertretern des Förderkreises "Geschichtsort Topf und Söhne" und der Ratsfraktionen zu bilden, die ein Konzept entwerfen. Der Antrag ist bereits formuliert, er soll möglichst bald in den Stadtrat eingebracht werden.

Eckart Schörle vom Förderverein mahnt zur Eile. "In zwei Jahren ist es für das Gebäude vielleicht zu spät", verweist er auf Untersuchungen von Wissenschaftlern der Bauhaus-Uni zum zerstörerischen Werk von Wind und Wetter. Ein Brand im vorigen Jahr hatte das Gebäude nur knapp verschont.

Die Ausstellung perspektivisch dauerhaft im Verwaltungsgebäude zu zeigen, sei gut. Doch man müsse auch klären, was mit dem gesamten Gelände geschehen solle - schließlich handele es sich um drei Hektar Industriebrache, für die eine Mischnutzung im Gespräch ist. Seit Jahren werde vergeblich ein Investor gesucht. Zudem sei zu klären, wie die Stadt den künftigen Geschichtsort ausrichte - wolle sie vorrangig die Region erreichen oder international informieren? Sowohl für das pädagogische Konzept als auch die Einbindung in die deutsche Gedenkstättenlandschaft gebe es bereits Überlegungen. "Topf und Söhne steht für die Mitwirkung der deutschen Industrie am Holocaust. Einen Geschichtsort, der diesen Bereich thematisiert, gibt es in Deutschland bisher nicht. Erfurt sollte und könnte Akzente setzen", so Schörle. Wichtig sei noch einmal ein eindeutiges politisches Signal der Stadt zum Geschichtsort "Topf und Söhne", hieß es mit Blick in Richtung Stadtrat. Das sei nicht zuletzt die Voraussetzung, um Förderungen von Bund und Land zu erhalten.