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Julika Bürgin - Stadt & Geschichte 4/00 Soll es in Erfurt eine "Gedenkstätte Topf & Söhne" geben?Am östlichen Stadtrand von Erfurt, zwischen IHK und Weimarischer Straße, wartet eine Industriebrache auf ihre zukünftige Nutzung. Das ehemalige Betriebsgelände des Unternehmens J. A. Topf & Söhne, später Erfurter Mälzerei- und Speicherbau im Sorbenweg ist nicht irgendein Ort. Hier wurden die Krematorien für die Konzentrationslager Auschwitz, Buchenwald, Dachau, Mauthausen, Gusen und Mogilew hergestellt. Topf & Söhne war die Nr. 1 bei den Herstellern von Großkrematorien und stolz auf seine technisch hochentwickelten Produkte, wovon heute noch die Firmenschilder auf den Verbrennungsöfen zeugen. Seit ungefähr zwei Jahren wird in Erfurt (und darüber hinaus) diskutiert, was mit dem Gelände geschehen soll. Im Gespräch sind ein Museum, ein Denkmal, eine Gedenkstätte (kann es "Täter-Gedenkstätten" geben?), ein künstlerisches Zeichen, die zeitlich befristete Nutzung als Lernort aber auch die Nicht-Nutzung. Der Charakter als Täter-Ort scheint es zu sein, der die Suche nach einer geeigneten Form der Auseinandersetzung so kompliziert macht. Einerseits: Topf & Söhne war ein besonderes Unternehmen; andererseits: die Herstellung und Vor-Ort-Installierung der Krematorien war das Ende einer langen Produktions-, Dienstleistungs- und Verwaltungskette, zu der unzählige andere private und öffentliche Unternehmen gehörten. Ist es also richtig, die Debatte auf das Unternehmen Topf & Söhne zuzuspitzen oder muß Topf & Söhne vielmehr als etwas "auffällig Normales" verstanden und weiter untersucht werden? Einerseits: Topf & Söhne ist Bestandteil der singulären Geschichte nationalsozialistischer Verbrechen, weshalb das Unternehmen im historischen Kontext betrachtet werden muß; andererseits: die Beschäftigung mit Vergangenheit soll diese nicht nur nachvollziehen, sondern Erkenntnisse für die Gegenwart ermöglichen. Soll Topf & Söhne deshalb als Geschichtsepisode rekonstruiert oder sollte die Aufmerksamkeit auf grundsätzliche Fragen gelenkt werden, wie die der Moral von Produktion, der Verantwortung von Unternehmen und Beschäftigten, der Voraussetzungen des Machens und Mitmachens oder der Beeinflußbarkeit gesellschaftlicher Rahmenbedingungen? Hartmut Topf und Echkard Schwarzenberger haben das Thema nach Erfurt gebracht. Von der Stadt Erfurt und dem Land Thüringen bisher sehr zögerlich aufgenommen, liegt es an den BürgerInnen der Stadt und des Landes, an Vereinen und Initiativen, weiter zu überlegen, mit welchem Ziel und wie die Auseinandersetzung mit der Firma J. A. Topf & Söhne erfolgen soll. Diskutiert wird dies vor allem in einem Förderkreis, der sich im letzten Jahr gebildet hat, und zu dem alle Interessierten sehr herzlich eingeladen sind. Der Kreis trifft sich in diesem Jahr noch jeden dritten Dienstag der Monate Juli, September und Oktober um 17 Uhr in der Begegnungsstätte Kleine Synagoge in Erfurt. Jeweils um 19.30 Uhr findet an diesen Tagen am gleichen Ort eine Veranstaltung im Rahmen der Reihe "Was passiert mit der Erfurter Brache des Krematorienherstellers J. A. Topf & Söhne" statt, die am 25. November mit einer Tagesveranstaltung abgeschlossen wird. Weitere Informationen im Internet unter: www.topf-holocaust.de. |