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[zurück] Thüringische Allgemeine, 2.6.1999: Neuer Förderkreis sucht Wege der Auseinandersetzung - Interesse an Firmengeschichte Topf & Söhne" nimmt zu

Thüringische Allgemeine 2. Juni 1999

Neuer Förderkreis sucht Wege der Auseinandersetzung

Interesse an Firmengeschichte Topf & Söhne" nimmt zu

ERFURT (ek). Ein gestern in der Kleinen Synagoge gegründeter Förderkreis wird sich mit der Geschichte der Erfurter Firma Topf & Söhne" beschäftigen. Hartmut Topf, Enkel eines Geschäftsführers und freiberuflicher Journalist, sucht seit Jahren nach geeigneten Formen des Umgangs mit der Firmen und Familiengeschichte. Der Name Topf & Söhne" hatte durch den Naziterror traurige Berühmtheit erlangt: Krematoriumsofen in Auschwitz, Buchenwald und anderen großen Konzentrationslagern wiesen damit auf ihre Erfurter Herkunft hin. Die am Sorbenweg gelegene Firma war der wichtigste Lieferant für Krematorien, entwarf Verbrennungstechnik, montierte sie vor Ort, errichtete die Gaskammern.

Die bereits 1878 gegründete Firma hatte sich schon zuvor als Lieferant für Zuckerfabriken, Brauereien, Spinnereien einen Namen gemacht. Der Freitod eines Geschäftsführers im Mai 1945, der Weggang des anderen nach Westdeutschland, Enteignung und Weiterproduktion unter anderen Verhältnissen, der Konkurs des Nachfolgebetriebes EMS 1996 einige Fakten zur Firmengeschichte sind gut bekannt. Eine bisher erstellte Broschüre, einige Veranstaltungen, Führungen über das Gelände haben schon das Interesse an diesem Kapitel Stadtgeschichte geweckt. Birgitt Vater von der beteiligten Heinrich-Böll Stiftung muß trotzdem resümieren: "Wir schaffen es nicht mehr, wir brauchen Mitstreiter."

Während sich der Sequester um die Konkursmasse, zu der das Verwaltungsgebäude und ein Produktionssaal zählen, kümmert, hofft der Förderkreis auf den Diskurs zum Umgang mit der Vergangenheit. Was und wie es geschieht, ist noch offen, betont Hartmut Topf. Wichtig sei ihm nur, daß dieser Ort in irgendeiner Form dem Gedenken gewidmet wird. Einige Ideen zur Markierung des Ortes mit künstlerischen Mitteln gibt es schon, das Schreddern ähnlich wie bei der Gestapobaracke des Weimarer Marstalls wurde auch schon in Betracht gezogen. Da das Schicksal des Geländes als Konkursmasse nicht absehbar ist, drängt die Entscheidung den Förderverein. Wer das Verwaltungsgebäude jemals betritt, der sei auf den Blick vom Zeichensaal nach Buchenwald verwiesen. Er ist überaus symbolträchtig und bedarf keiner weiteren Kommentierung. Die Konstrukteure hatten das Lager immer vor Augen.